Sonntag, 19. Mai 2013

Eintracht Frankfurt Gedicht

irgendwann erwachen
zwischen den pfosten
die handschuhe liegen
( lasst sie liegen)
eine amsel (oder ist es doch eher ein pferd) geht in die richtige richtunG, hinter der wüste verkauft einer den durst; die bären halten es mit den adlern...
wer sich jetzt nicht fortpflanzt...
die augen binden; die augen blicken; wohin
die wohl blicken; irgendwohin blicken die ja immer...
irgendeine idee?
irgendetwas worauf sich geniestreich reimt
ein unerkanntes gefühl zwirbt sich durch und durch
fällt in den gestrigen punkt
als wäre dort wo gerade noch ein zittern war
ein längst vergnügliches "umarm mich"
gemeint ist der ball
der ein jäger sein kann
tränen rutschen aus ihm heraus (vergnügungstränen; dabei ist es derselbe ball
dasselbe treiben wie vor zwei jahren, dieselben nächte; der gleiche vogel der an die decke kratzt)

Platzsechs

Freitag, 17. Mai 2013

Elke erzählt

er sagte
ich werde sterben
er sagte es lippenlos
fleischlos
im flur war es leise
seine augen rannten an mir vorbei
er sagte
komm schon
er rief es nicht mir zu
er verlangte nichts von mir
er hatte nie etwas von mir verlangt
auch damals nicht
als wir die schritte im schnee einzeichneten
als ich nicht wollte dass er meinen namen in seine augen kratzte
ich wollte nicht dass er über meine lippen redet
über die hände die greifen
die nach ihm greifen
die jetzt nach ihm greifen
ihn nicht mehr zu fassen bekommen
seine bewegungen werden leichter
der tag wird blasser
was machen die sekundenzeiger wenn
er sie nicht mehr belügt
was macht die nacht
wenn er sich nie wieder nicht traut mich anzurufen
um mir zu sagen
das wird nichts mit uns beiden
wie verlassen sind die lebenden neben den toten
wie vergebens ihnen zu zurufen
nun kommt doch wieder zurück

Mittwoch, 15. Mai 2013

Elke erzählt

ich ging mit ihm zum möbelhaus
es war noch früh
viel zu früh
es war selbst für ein möbelhaus zu früh
er sah den mond an
er mochte ihn nicht

du magst ihn nicht oder...fragte ich
ich trug ein schwarzes kleid
es war sehr zerbrechlich
das wusste er nicht
er sah zum mond
er mochte ihn vielleicht

ich mag ihn nicht sagte er
er saugt all unsere erinnerungen ab

das ist poesie flüsterte ich
aber der mond ist keine poesie

warum ist das eine poesie und das andere nicht
warum stehen wir so schutzlos da
der mond kann mit uns machen was er will

in seinem reden war etwas
etwas launenhaftes
etwas helles und dunkles und
beide fochten was aus

man sollte nicht mehr schreiben meinte er
nein er flüsterte es
er flüsterte es so als würde man in ein kissen beißen

das schreiben ist zu einer manie geworden
es gibt keine ideen
keine tiefen mehr
es packt einem doch keiner diese unruhe
die macht
dass man sätze schreibt über die man selber staunt

woher weißt du das wollte ich wissen
hast du mit allen gesprochen
du hast sicher nicht mit allen gesprochen
du schaffst dir nur ein ideal und weißt
dass du dich selber nicht dranhältst

wir standen vor dem möbelhaus
es war noch geschlossen
ein sicherheitsmann mit langen schritten und blauer uniform
fragte uns nach zigaretten

wollt ihr was kriminelles machen fragte der
als wir verneinten sagte er
dann verpisst euch

etwas lag in den jahren
ein schatten der jede bewegung markierte
ein ort den keiner mehr suchte

aber die hören nicht auf zu schreiben
sie schreiben ständig sagte er
niemand hört auf mich
auch ich nicht
ich denke
es ist überflüssig aber ich schreibe

es gibt welche die leben davon..sagte ich
es ist ihr grundnahrungsmittel
sie essen die worte
sie lieben es
hirse und haferbrei zu erwähnen
sie lieben es auch tabus zu brechen und sie nie wieder zu schliessen
dann stehen sie ab die tabus und jeder kann sie sehen und denken
das ist also ein tabu

der mond wurde überflüssig
auch unsere sätze wurden es
sie schmolzen mit dem mond zusammen und
wurde eins

heute denkt der letzte mülltonnenschreiber an den markt
er schreibt nicht weil er nicht weiß
er schreibt auch nicht aus überzeugung
er sagt sich
wenn ich die strategien des marktes einhalte kann ich nur gewinnen

was stört es dich fragte ich ihn
was hast du damit zu tun

ich bin ein teil davon
ich bin dieser mülltonnenschreiber
ich denke mir immer
desto länger ich drin bin
desto tiefer wird mein schreiben
ich denke
wenn es die menschen lesen fühlen sie etwas
sie greifen nach einem spiegel
sie sehen zuerst den spiegel und dann sehen sie das gedicht und
sie stellen fest..das bin ja ich

Donnerstag, 2. Mai 2013

by tina

heute vor tausendundeinem jahr war ich bei tina
sie stellte
trockene milch
auf den tisch
sie sagte
und hier der herr
meine briefmarkensammlung
dann begann es
sie redete von der badewanne
sie redete solange bis wir in ihr lagen
ich gestand
ich kann nicht schwimmen
sie ertrank in meinen worten
ich rettete sie mit einer pusteblume
wir lagen im bett
sie sagte
man kann gar nicht liegen
die sterne verschoben sich
ich sagte
wie sich fliegen wohl die zähne putzen
sie sagte
in den träumen habe ich dir dreimal
schon eine ohrfeige gegeben
ich sah entsetzt in den wind
sie sagte
das erstemal weil du unsere sprachlosigkeit nicht verstanden hast
das zweite mal weil du wissen wolltest was eine ohrfeige ist
hier stoppte ich sie
ich weiß schon und das dritte mal weil ich
dich fragte
ob wir uns nicht bald ausziehen könnten
ja
sagte sie
dabei waren wir doch schon nackt
wir waren es die ganze zeit schon
wir redeten nur nicht darüber
erst als wir anfingen zu reden
sagte ich dir
zieh dich an

Sonntag, 21. April 2013

Doktor

bitte doktor
schreiben sie ein gedicht
mir steht es nicht zu
ich bin nur eine krähe
finden sie nicht auch dass ich das gut gesagt habe
doktor
es steht schlimm
wir sehen es und falten die hände
wir
kamen von weit
saßen in den tiefkühlhäusern unserer erinnerung und
erst jetzt fangen wir an zu frieren

du

mein gott bist du alt
er schaut sein wechselgeld an
tastet es ab
er sitzt in einem geräumigen zimmer
jemand erzählt ein abenteuer von tarzan nach
tarzan liegt in der schlinge
er sekt den durst
er fühlt
wenn ich voll bin werde ich es schaffen
meine güte denkt er
warum ist alles immer nur ein schwindel
er trinkt sekt aus einer karaffe
er versenkt seine gedanken darin
der wind umspült seine feige hand
ruft ihm zu
nun mach ihn schon fertig

die mühlen sanft

das gewehr steht auf
komm sack ruft es
es ist zeit

er sperrt die tür auf
der gang nach draußen
flieht vor ihm

er neigt sich zu seinem gedächtnis
trägt einen bart
geht zum fluss

wirft den brief hinein und
sagt
schuss

das imperium des dichters sack

sack guckt ob er noch licht inmitten hat
er schreibt brief
brief muss heute noch raus denkt sack
er legt sich auf die lippen
wie dumm die welt ist denkt er und legt
sich zurück und während er sich zurücklegt
denkt er
brief
du musst diesen brief schreiben
muss heute noch raus
er hört
da sind geräusche
die kommen von drüben
er lenkt seine kreisförmige wichtigkeit ganz in die nacht
legt sich dazu und schläft ein

Komm

komm sagte er
im fernsehen gibt es nur fernsehen und
wir sehen uns doch schon länger an
als könnten wir ne abwechslung gebrauchen

komm sagte er
ich bin aus trier
dort gibt es männer
mit nasenaugen
die sitzen unter den stühlen und fragt man sie nach ihrem befinden..rufen sie sofort die polizei

komm
wir gehen was trinken
was edles
etwas über das wir schon gestern redeten
gestern als wir lange durch die stadt schritten
ohne zu bemerken
dass wir es waren die ständig halt riefen

komm
ich zähle die erbsen in der suppe und
wenn es mehr als wir sind
werden wir glücklicher sein als sie

Donnerstag, 18. April 2013

Lesung elke, die unsichtbare

IMG2

Giessener Allgemeine vom 18.04.2013

Samstag, 6. April 2013

Polka

komm lass uns polka tanzen
polka
polka
wir gehen zur türe
wir sagen
polka und
schon schweben wir

was können wir dafür
das uns alles so gut schmeckt
das wir lebende sind
in die man alles steckt

was können wir dafür
das uns alles liebt
das wir lebende sind
hat sich so gefügt

Dienstag, 2. April 2013

Lolita

lolita wie wahr ist das wahre
wie nah das nahe
sag es
sprich es aus
leg es in die leertaste
die leertaste ist danach nie wieder leer
lolita
das siebzigste jahr deines jungseins
mädchengeflüster in den altersheimen
du
licht
sonne
vergessen vom nichts meiner handlung
du
vom gewicht der tage
eines lebens
lolita
dein blick war immer auch der blick der blicklosen
die in die zukunftgetragenen
die nicht wollen dass man vergißt
ich vergesse nicht
lolita
dein blick ist der
der unzähmbaren schritte
du
licht in der nacht
wenn grausam das ende naht und
wir vor glück singen
lolita
ein letzter vergessener schrei
ein letztes mal das wort
der name
so unaussprechlich wie der wunsch
nach möglichst viel schweigen
wir kommen da hin
wir legen uns zurecht
lolita
ich kämme dein haar durch die jahre
dein wellblechzaun ist grün
dein haar
lolita
auch

Gretel erzählt

an meinem tellerrand lag eine kleine erbse
auch der tellerrand war klein
doch
das machte die erbse nicht größer
ich hob meine hand
wollte nach ihr greifen
da rief sie
siehst du denn nicht dass ich es bin
dein vater dein sohn
dein bruder
ich bin es doch hänsel
erinner dich
wir standen zu lange bei den käfigen
erinner dich
wir hatten hunger und nagten an den stäben
später verringerten wir die zeit
wir stellten sie einfach nicht mehr um
wir warteten bis uns das haar wuchs
hörten auf traurig zu sein
dann gingen wir hinaus in den wald und erfanden ein knusperhäuschen
wir aßen daran solange bis wir wieder zu kurz kamen
ja
sagte ich
ja hänsel
diese geschichte erzählst du mir jeden tag
jeden tag sehe ich dich am tellerrand hin und her rollen
immer sage ich mir
morgen nehme ich keine rücksicht mehr auf dein geschwätz
doch kaum sehe ich dich
da kann ich es kaum erwarten dass du zu sprechen beginnst
du bist die einzige erbse die sprechen kann
hänsel

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Elke, die Unsichtbare


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